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VON-Coin rettet die Welt und Kakanien

Eine satirische Science-Fiction-Story mit Happy End – von Walter Schönthaler

Es geschah in einer fernen Galaxie, Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, auf dem wunderschönen Planeten Indebitamento. Der Planet war fest in der Hand der Virtualisten. Oberster Grundsatz dieser virtuellen Glasperlenspieler war es, die wirtschaftliche Tätigkeit von jeglichen realen Warenströmen zu befreien.

Die elitäre Ideologie des Virtualismus war auf 3 Verfassungs-Grundsätzen aufgebaut:

§ 1. Nur ein Mensch, der sich von der Vorstellung befreit, er müsse arbeiten, um Geld zu verdienen, kann ein tüchtiger Virtualist sein.

§ 2. Nur ein Geschäft ohne reale Grundlage ist ein Business, das den moralischen Kriterien des Virtualismus entspricht.

§ 3. Virtualismus ist ein Glasperlenspiel für Eingeweihte. Nur ein Mensch, der über einen Intelligenzquotienten und die moralische Freiheit verfügt, die über das konventionelle Niveau hinausreichen, kann ein virtueller Glasperlenspieler sein.

VONsociety: VON-Coin, Zitat – sich von der Vorstellung befreit, arbeiten zu müssenDas Geschäftsmodell der Virtualisten war einfach, aber effizient und effektiv: Sie verfügten über das Monopol der Geldschöpfung, indem sie Geld aus dem Nichts erschaffen konnten. Sie nannten es Fiat Money oder Giralgeld, es entstand durch einen Kreditvertrag, Staatsanleihen oder anderen Schuldverträgen – durch eine einfache Buchung. Die Virtualisten verliehen virtuelles Geld als Giralgeld gegen Zinsen an Untertanen, Unternehmen und die Governatoren, die offiziellen Machthaber jener Provinzen, die in der Indebtunion zusammengefasst waren.

Die Indebtunion war ein administrativer Bund, der durch eine Kommission regiert wurde. Die Union bildete einen Binnenmarkt mit einheitlicher Währung, aber mit unterschiedlichen Steuersätzen, Lebensgewohnheiten und Traditionen, in denen die Untertanen von der Willensbildung ausgeschlossen waren. Der Indebto, die einheitliche Währung der Indebtunion, die ursprünglich als Wachstumsmotor gedacht war, hatte sich bald als Koloss auf tönernen Füßen herausgestellt und wurde stattdessen mehr und mehr als Erpressungsmittel eingesetzt. „Der Indebto muss gerettet werden!“

Die Governatoren der Provinzregierungen, die in der Indebtunion zusammengeschlossen waren, gehörten zur Kaste der professionellen Politdarsteller, die von den Lobbyisten der Virtualkonzerne und den Berichten der Kontrollmedien abhängig war.

VONsociety: VON-Coin, Zitat: Kontrollmedien lebten von gesponserten BerichtenDie Kontrollmedien wiederum lebten wirtschaftlich von den gesponserten Berichten der Virtualisten, die sie Advertorials nannten. Diese Advertorials waren eine Mischung aus Advertising und Editorials. Die meisten Untertanen wussten nicht, dass Berichte und Reportagen der Advertorialisten von den Finanzvirtualisten und Konzernvirtualisten gesponsert wurden.

Die obersten Politdarsteller verteilten das von den Virtualisten geborgte Geld in Form von Subventionen und Wahlgeschenken an die Ziel-Gruppen unter den Untertanen. Denn sie mussten sich alle fünf Jahre von den Untertanen erneut als Politdarsteller wählen lassen. Die aktuellen Meinungstrends über die geopolitische Lage und die Sprachregelungen für die Untertanen, genannt political correctness, wurden über den Rat für auswärtige Beziehungen (RAFAB) gesteuert, dazu gehörten Nachrichtenagenturen, professionelle Advertorial-Agenturen, die Berichte im Auftrag der Virtualkonzerne verfassten, sowie private und öffentliche Kontrollmedien-Medien in der Hand privater Virtualisten.

Die Macht der Virtualisten und der von ihnen wirtschaftlich abhängigen Kontrollmedien und Advertorialisten in der Indebtunion stieg ständig, während die Untertanen des Mittelstands durch Inflation, Abwertung der Arbeitskosten, prekäre Dienstverhältnisse und steigende Zinslast mehr und mehr unter wirtschaftlichen Druck gerieten.

VONsociety: VON-Coin, Zitat Politdarsteller verteilten das geborgte GeldDas Geschäftsmodell der Virtualisten war denkbar einfach: Sie borgten den Herrschern Geld, welches sie später von den Steuerpflichtigen durch höhere Steuern, Zinsen und Zinseszinsen wieder eintreiben ließen. Die Klein- und Mittelbetriebe und privaten Haushalte ächzten unter immer größerer Steuerlast, während großen, virtuellen Finanzlobbies und multinationale Unternehmen der Virtualisten ihr Vermögen weitgehend steuerfrei in Steueroasen junckerten.

Die Angewohnheit der herrschenden Politdarsteller, mehr Geld auszugeben, als sie durch die Steuern der Untertanen eingenommen hatten, nannte man Deficit Spesa. Seit der berühmte Ökonom Keynesianus eine pseudowissenschaftliche Theorie dafür entwickelt hatte, verbreitete sich die Methode rasch auf dem Planeten. Alle Regierungen, Banken und Zentralbanken betrieben eifrig Deficit Spesa. Auf diese Weise wuchs der Schuldenberg der Staaten und deren Untertanen von Tag zu Tag.

Die Investitionen der Unternehmen sanken, das reale Bruttonationalprodukt stagnierte, obwohl man bald auch Zigarettenschmuggel, Prostitution und später auch Korruptionsgewinne ins Bruttoinlandsprodukt einrechnete. Das Ansteigen der Teuerungsraten konnte durch das Anpassen der Warenkörbe immer weniger verschleiert werden, die Untertanen ächzten unter der gefühlten Inflation. Die Verschuldung der Haushalte wuchs kontinuierlich und immer weniger Untertanen wollten sparen, nicht einmal die Konsumfuturisten des Mittelstands, die Finanzinstitute mit ihren sogenannten Sparbüchern jahrzehntelang brav mit negativer Realverzinsung gesponsert hatten.VONsociety: Von-Coin, Zitat: das Wetten auf derivative Finanzprodukte wurde immer skurriler

Die Virtualindustrie löste sich immer mehr von der Realwirtschaft und das Wetten auf derivative Finanzprodukte wurde immer skurriler, bald investierten die großen Virtualinstitute fast ausschließlich in virtuelle Geschäfte, indem sie Staatsanleihen, Credit Default Swaps, Optionen, Puts und Calls oder auf Blasenpumpen im Aktien- und Immobilienbereich wetteten.

Hingegen mussten kleine und mittlere Geschäftsbanken, die Kredite an Private und Unternehmen für reale Wirtschaftsleistungen, Produkte, Dienstleistungen und Innovationen vergeben wollten, gegenüber den Hedgefonds, die mit virtuellen Derivaten handelten, gravierende Nachteile in Kauf nehmen. Denn für einen Kredit in die Realwirtschaft bürgten nicht alle Bürger als Bürgen, sondern nur die Kreditnehmer. Im Gegensatz zum Factoring zukünftiger Zwangsabgaben der Untertanen, die es den Virtualisten ermöglichte, Zinsen für ein Risiko, das es nicht gab, an den Staat zu verrechnen. Denn die Untertanen waren immer in der Haftung.

Gleichzeitig mit der Liberalisierung der Regelungen für spekulative Hedgefonds wurden die Vorschriften für Geschäftsbanken und Kredite für die Realwirtschaft immer mehr verschärft. Nach den Bestimmungen von Basilea III, welche die Virtualisten durchgesetzt hatten, war für Kredite in der Realwirtschaft ein relativ hoher Anteil an Eigenkapital erforderlich, was in der Folge zu einer Kreditklemme führte. Mit den Bestimmungen von Basilea III wurde die Realwirtschaft verbaselt. Bald war das Volumen der virtuellen globalen Finanztransaktionen mehr als hundert Mal höher als das Bruttonationalprodukt des gesamten Planeten.

Das Ende nahm seinen Anfang, als Virtual Inc., einer der größten virtuellen Hedgefonds des Planeten, durch die Subprimatenkrise zusammenbrach und mit Milliarden von Steuergeldern „gerettet“ werden musste. Als anschließend auch die Immobilienblase platzte, beschloss die Zentralbank der Indebtunion die Zinsen für die Finanzindustrie auf Null zu reduzieren. Die Nullzinspolitik trieb wiederum den Prozess der Finanzindustrialisierung weiter voran, weil realwirtschaftliche Dienstleistungen der Geschäftsbanken, etwa Kontoführung und Kreditvergabe, nichts mehr einbrachten.

VONsociety: VON-Coin, Zitat: es gelang nicht, eine Steuer für Finanzderivate einzuhebenDurch die Gratisgeldpolitik drehte sich das Spekulationskarussel noch schneller als je zuvor. Repräsentanten der Realwirtschaft, die ein Spekulationsverbot und eine Umsatzsteuerpflicht für Finanzderivate forderten, waren gegen die Lobbyisten und Advertorialisten der Virtualfinanzkonzerne chancenlos. Für jede Wurstsemmel wurde Umsatzsteuer eingehoben, aber es gelang nicht, eine Steuer für Finanzderivate einzuheben. Der Widerstand der Virtualisten, Politdarsteller und Kontrollmedien war zu groß.

Die finale Phase des Bankrotts begann etliche Jahre später, als der Kapitalabfluss aus der Indebtunion in Hochzinsländer rasant anstieg und die Zentralbank die Zinsen erhöhen musste. Die Immobilienblasen platzten, da die Kredite nicht mehr bedient werden konnten und einige Staaten erklärten offiziell ihre Zahlungsunfähigkeit. Das virtuelle Geld bahnte sich den Weg in die Realwirtschaft und löste eine Hyperinflation aus, die mit exponentieller Geschwindigkeit in der Indebtunion begann und sich nach und nach auf den gesamten Planeten ausbreitete. Das virtuelle Geld war wertlos geworden, die Untertanen gingen mit Schubkarren voller Indebtos zum Bäcker, um ihre Brötchen einzukaufen. Die Arbeitslosigkeit stieg dramatisch. Der Planet Indebitamento war also offensichtlich dem Untergang geweiht.

Da geschah das, was man später als „das Wunder von Kakanien“ bezeichnete.

Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler und IT-Experten schloss sich in der Open Innovation Plattform VON des Verlegers Paul Harris zusammen, um ein neues Zahlungsmittel zu erfinden, welches unabhängig von Virtualisten und Politdarstellern wertbeständig funktionieren sollte. In dieser Situation wurde ein neuartiges Zahlungsmittel, der VON-Coin erfunden. Der VON-Coin war eine virtuelle Währung und existierte rein digital. Das Konzept des Zahlungsmittels bestand darin, dass im Internet Daten erzeugt wurden, die nicht kopiert werden konnten. Sie beruhte auf der Distributed Ledger Technologie. Dabei wurden anonym sämtliche Informationen verschlüsselt gespeichert. Jeder Nutzer verwaltete eine Kopie der Datenbank, wodurch Manipulationen praktisch unmöglich wurden. Die Währung war fälschungssicher und einmalig, eine Manipulation war unmöglich. Die Währung hieß Kryptowährung, weil die Verschlüsselung der Daten eine wesentliche Rolle spielte.

VONsociety: VON-Coin, Zitat: hatte in kurzer Zeit Millionen FansDie Virtualisten, Zentralbanken, Politdarsteller und die Kontrollmedien der Indebtunion warnten eindringlich vor dem VON-Coin. Denn das staatenlose Geld, wie der VON-Coin auch genannt wurde, hatte in kurzer Zeit Millionen Fans gefunden. Und eine Währung, die nicht durch Staaten oder Zentralbanken herausgegeben wird, war schwer zu kontrollieren und eine Bedrohung für das herkömmliche Finanzsystem. Die Notenbanken waren nervös, weil sie den Zugriff auf die virtuelle Geldschöpfung verloren. Am radikalsten reagierte der Gouverneur der kleinen Notenbank der Provinz Kakanien. Er forderte eine Mehrwertsteuer auf die Cyberwährung (nicht jedoch auf Finanzderivate) und warnte eindringlich vor der Gefahr der Geldwäsche durch kriminelle Untertanen.

Dennoch führte die VON-Innovationsplattform den VON-Coin als wertbeständiges, nichtinflationäres Zahlungsmittel für die Provinz Kakanien ein – und die Governatoren von Kakanien mussten dies tolerieren, da sie die Kontrolle über die Provinz längst verloren hatten.

Auch die Kreditvorschriften von Basilea III wurden über Nacht auf den Kopf gestellt: denn die restriktiven, innovationsbremsenden Kreditvorschriften von Basilea galten nicht mehr für Unternehmenskredite, sondern für Finanzderivate. Umgekehrt erhielten Klein- und Mittelbetriebe günstige langfristige Kredite durch Direkt-Investitionen in die Realwirtschaft unter Umgehung der virtuellen Finanzindustrie. Dieses Phänomen, die Umkehrung der Kreditvorschriften zugunsten der Realwirtschaft nannte man Inversion.

VONsociety: VON-CoinUnd schließlich erhielten die privaten Haushalte jenen Teil der von ihnen bezahlten Steuern über als Pauschale zurückgezahlt, der für die Schuldentilgung verschiedener bankrotter Banken, wie für die illiquide GAME-Bank (Giga-Alpin-Mediterranian-Enterprise) vom Staat über höhere Steuern von den Untertanen eingetrieben wurden.

Die Fehlleitung der Finanzströme war durch den VON-Coin und die Inversion der Kreditrichtlinien schlagartig beseitigt.

Denn als die strengen, restriktiven Vorschriften von Basilea III auf alle Finanzgeschäfte ohne realwirtschaftliche Basis angewendet wurden, reduzierten sich diese auf ein Minimum, die Blasen implodierten und auch die Spekulation mit Derivatprodukten und Rohstoffkontrakten verschwand. Die Einführung einer Umsatzsteuer für Finanztransaktionen sanierte die Haushalte der Provinzen innerhalb kürzester Zeit.

Die direkte Vergabe zinsenloser Blockchain-Kredite an Klein- und Mittelbetriebe unter Ausschaltung der Virtualindustrie und der von ihnen abhängigen Zentralbanken führte zu einer zügigen Entschuldung und zu einer Renaissance der Investitionen in die Realwirtschaft. Die Wirtschaft atmete auf. Denn die Unternehmer nutzten die Chance, um wieder in neue Technologien und Produkte zu investieren, die Haushalte konsumierten wieder verstärkt die Produkte und Dienstleistungen, sodass das Bruttonationalprodukt kontinuierlich stieg und neue Arbeitsplätze entstanden.

Als man erkannte, welchen positiven Effekt die simple Umkehrung der Kreditvorschriften in der Provinz Kakanien gehabt hatte, übernahm man die realwirtschaftliche Wirtschaftsordnung der VON-Kommission in der gesamten Indebtunion. Die Indebtunion war gerettet. Es dauerte nur wenige Monate und der Planet Indebitamento war weltwirtschaftlich und geopolitisch wieder auf Erfolgskurs.

Mag. Walter SCHÖNTHALER, Jahrgang 1954, lebt und arbeitet als Unternehmensberater und Buchautor in Wien. Sein Lebenslauf liest sich wie das Who-is-Who der österreichischen Lebensmittel-Markenartikel: er war CEO/Vorstand von Manner, PEZ, Felix-Austria und Spitz.
HIER finden Sie einen weiteren Beitrag, den Walter Schönthaler vor VON geschrieben hat.

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