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AUSSTELLUNG: KAUFT BEI JUDEN!

Kauft nicht bei Juden – ein Satz, der uns heute noch betroffen macht. Ihn für diese Ausstellung im Jüdischen Museum Wien ins Gegenteil umzukehren ist klug und regt zum Nachdenken an: Kauft bei Juden.

VONsociety: Kauft bei Juden, Ausstellungsansicht Jüdisches Museum Wien © Wulz

Ausstellungsansicht Jüdisches Museum Wien © Wulz

Was wäre gewesen, hätte man damals genau diese Parole ausgegeben? Wie hätte sich das Zeitgeschehen entwickelt?
Vor dem Nationalsozialismus leisteten jüdische Unternehmer mit ihren Betrieben einen maßgeblichen Beitrag zur Wiener Stadtentwicklung. Es bestand eine gesunde Koexistenz zwischen nichtjüdischen und jüdischen Wirtschaftstreibenden. Einkaufen ging man halt da, wo es passte. Wo die Ware und der Preis stimmten. Gedanken, welcher Herkunft der Geschäftsinhaber war, machte man sich nicht. So wie man heute zum türkischen Änderungsschneider um die Ecke geht, weil der seinen Job gut macht und der Preis okay ist.

Kauft nicht bei Türken? Unvorstellbar aber möglich. Die Ideologie Hitlers und seine verhetzten braunen Untertanen machten es wahr. Sie ließen zu, dass die jüdischen Geschäfte gemieden, geplündert und angezündet wurden und ihre Inhaber flüchten mussten ohne Hab und Gut.

VONsociety: Kauft bei Juden, Ausstellungsansicht Jüdisches Museum Wien © Wulz

Die Ausstellung zeigt die Geschichte jüdischer Firmengründer © Wulz

In der Ausstellung Kauft bei Juden werden Erfolgs-, Migrations- und Familiengeschichten der Firmengründer und deren Unternehmergeist beleuchtet. Fast alle jüdischen Unternehmen handelten mit Textilien, bevor sie zu Kaufhäusern und imposanten Geschäften expandierten. Noch heute klingen Namen wie Gerngross, Neumann, Braun & Co, Jungmann & Neffe, Knize und Silesia uns sehr vertraut.

VONsociety: Kauft bei Juden, Knize-Medaillen © JMW S. Gansrigler

Tableau mit Auszeichnungen für den k.u.k. Hofschneider Knize & Comp., u.a. des türkischen Sultans und des persischen Schahs – Wien, 1885 Sammlung Firma Knize © JMW Sebastian Gansrigler

Die sogenannte Gründerzeit brachte Wien Mitte des 19. Jahrhunderts einen ungeheuren Boom. Der Bau der Ringstraße, des größten Infrastrukturprojekts der Stadt, der Aufschwung der Forschung, der Fortschritt in Kultur und Wissenschaften. All das wurde zum Anziehungspunkt für Menschen aus allen Teilen der Monarchie. In diesem vibrierenden Spannungsfeld entstand die Kaufhauskultur.

VONsociety: Kauft bei Juden, Fotografie Stephansplatz Kaufhaus Rothberger © Bildarchiv der österreichischen Nationalbibliothek

Fotografie Stephansplatz Kaufhaus Rothberger © Bildarchiv der österreichischen Nationalbibliothek

In Wien widmen sich hauptsächlich jüdische Familien mit großer Verve dem neuen Geschäftsfeld und entwickeln es einfallsreich weiter. Jacob Rothberger etwa bot in seinem prachtvollen Kaufhaus am Stephansplatz eine „Kleiderschwemme“ an. Die Kundinnen und Kunden konnte neue Ware billiger kaufen, wenn sie dafür alte Kleidung zurückbrachten. So war es auch weniger Begüterten möglich, neueste und qualitätsvolle Güter zu kaufen.

VONsociety: Kauft bei Juden, Ella Zwieback © imagno

Ella Zirner-Zwieback leitete das „Maison Zwieback“ nach dem Tod ihres Vaters © imagno

„Das pariserischste aller Warenhäuser der Welt ist weder auf dem Boulevard Haussmann noch auf dem Boulevard des Italiens zu finden; es liegt in der Wiener Kärntnerstraße! Es ist eigentlich unnötig, hinzu zu fügen, daß es sich um ‚Zwieback’ handelt. Wenn das aber der Fall ist – und das wird gerade von vielgereisten Engländerinnen und Amerikanerinnen beifällig bekundet –, so gehört ein Großteil des Verdienstes an dieser Tatsache der Frau Ella Zirner-Zwieback …“ schrieb Franz PLANER: Handbuch der Wiener Gesellschaft, Wien 1926.

Die Ausstellung Kauft bei Juden ist noch bis 19. November 2017 im Jüdischen Museum Wien zu sehen.
Weitere Informationen gibt es HIER

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