PROFOUS: „Lederhosen für die EWIGKEIT“

Auf der Suche nach dem Besonderen, Exklusiven stößt man unweigerlich auf  traditionelles, althergebrachtes Handwerk, das in der heutigen, schnelllebigen Wegwerfgesellschaft so selten ist, dass man gar nicht glauben kann, dass es überhaupt noch existiert. Alexander Profous hat einen dieser „aussterbenden Berufe“ ergriffen: der Säcklermeister macht das, was er selbst am liebsten trägt.

Auf dem Weg zu Alexander Profous’ Geschäft und Werkstatt beginnt bereits die Zeitreise in die Vergangenheit. In der schmalen Grünanger Gasse im alten Universitätsviertel im ersten Wiener Gemeindebezirk baumelt über dem Eingang eine Lederhose aus Blech; vor der Auslage, die einen Blick in die Werkstatt erlaubt, stehen Blumenkisten mit vierblättrigem Klee.
Im Geschäft türmt sich Leder in Rollen bis zur Decke: Willkommen bei einem der letzten Säckler Wiens. Hier fertigt Alexander Profous Lederbekleidung vom Feinsten. Individuell, nach Kundenwunsch und selbstverständlich in Handarbeit mit Schwerpunkt Tracht, sprich Joppen, Spenzer und vor allem Lederhosen.

Alexander Profous © Sabine Klimpt

Warum sich ein junger, sportlicher Mann für einen so altehrwürdigen Beruf entscheidet? „Auch mein Vater war Säckler und hatte Geschäft und Werkstatt im neunten Bezirk. Aber Trachten waren nicht sein Ding. Er hat in den 60ern Ledermode gemacht und viel mit Helmut Lang gearbeitet. Reich ist er dabei allerdings nicht geworden“, erinnert sich Alexander Profous. „Darum hat er’s auch kaum glauben können, dass ich nach der AHS den Wunsch hatte, eine Säcklerlehre zu machen.“ Da wurde es aber auch schon schwierig: „Niemand wollte mich als Lehrling haben, denn alle dachten ich will nur spionieren!“ Also blieb dem Lernwilligen nichts anderes übrig, als beim Vater durch eine harte Schule zu gehen. „Obwohl ich eigentlich nur eine verkürzte Lehre hätte absolvieren müssen, bestand meine Vater auf den vollen drei Jahren bis zur Gesellenprüfung. Später, als ich dann zeitweise eine Art Aushängeschild für die Aktion Karriere durch Lehre wurde, hab ich mir oft gedacht‚ wenn die wüssten, was ich durchgemacht habe!“

Im Gegensatz zum Vater spezialisierte sich der junge Säcklermeister von Anfang an auf Ledertrachten: „Natürlich fertige ich auf Wunsch auch Innenpelze und Oberbekleidung aus Leder, aber mein Renner ist die Lederhose nach Maß, bei der fast jeder Kundenwunsch berücksichtigt wird. Ich greife nur beratend ein, wenn’s wirklich notwendig ist“, gesteht Alexander Profous, „damit keine argen trachtenmäßigen Fauxpas passieren!“

Wer sich zu einer Lederhose nach Maß entschlossen hat, hat die Qual der Wahl. Allerdings – eines steht fest: die zünftige Lederhose, an der schließlich auch noch die Erben ihre Freude haben sollen, muss aus Hirschleder sein. Alexander Profous bezieht es direkt vom Gerber in Werfenweng, die Farbe wird im Erdfarbenspektrum eingebürstet. „Bei der ersten Ledernen entscheiden sich die meisten für eine Kniebundhose“, lacht der Säcklermeister: „Im nächsten Jahr kommen sie dann wieder und bestellen eine kurze Lederhose, denn die ist für den Sommer ideal!“
Für die erste Anprobe wird eine Hose aus Molino gefertigt. Falls etwas nicht passt gibt es eine zweite Anprobe mit Leder, „aber das ist nur ganz selten notwendig“, weiß Profous aus Erfahrung. „Schwierig wird’s bei der Entscheidung, wie die Hose bestickt werden soll. Die Farbe des Fadens ist meistens schnell entschieden, aber dann geht’s los – wo wird bestickt und wie viel, Messertasche mit oder ohne Monogramm, und, und, und. Faustregel: je mehr desto teurer. Am kostbarsten sind Stickereien an den Seitennähten, denn die kann man nur bei einer bereits fertigen Hose machen. Aber aufwendig ist alles, es ist ja reine Handarbeit“.

Beim Sticken wird das Leder nicht durchstochen und der Faden zusammengezogen. So wird die Stickerei erhaben und bekommt im Laufe der Zeit eine andere Patina als der Rest. „Das macht außer mir keiner in Wien“, versichert Alexander Profous „und deshalb hab ich nicht nur Wiener, sondern auch Amerikaner, Deutsche und Italiener als Kunden. Zu mir kommen sie sogar aus Aussee, dem Mekka der Lederhose. Das ist fast absurd, aber ein großes Kompliment für mich!“
Dass eine echte Lederhose Hosenträger hat, ist für Trachtenexperten selbstverständlich und „außerdem verliert man sie nicht, wenn sie weiter wird, und das wird jede!“ weiß der Säcklermeister. „Als Kundenservice gibt’s nach einer Saison einmal enger Machen gratis!“

Neben Lederhosen sind Reiterhosen Alexander Profous’ zweite Spezialität: „Die Spanische Hofreitschule wurde 20 Jahre von uns mit maßgeschneiderten Reiterhosen aus weißem Hirschleder ausgestattet und die Bereiter waren immer sehr zufrieden, schließlich ist die Hose ja ihr Büro“, weiß er und bedauert: „Leider sind sie dem Sparstift zum Opfer gefallen und man ist auf Konfektion umgestiegen. Das ist so wie wenn man von einer Villa in eine Hütte umzieht!“ Derzeit fertigt er „endlich wieder“ eine Hose für einen Oberbereiter: „Wenn er zufrieden ist, sind wir vielleicht wieder im Geschäft!“ Die Reiterklientel – von Deutschland bis Australien – die vor allem durch die Hofreitschule auf den Wiener Säcklermeister aufmerksam wurde, stört der Preis allerdings nicht und auch nicht die langen Wartezeiten von rund acht Wochen.

Bleibt bei vollem Auftragsbuch eigentlich noch Zeit für Hobbies? „Da wird’s eng“, gesteht der zweifache Familienvater, „aber ich fahre täglich mit dem Rad von zu Hause in Klosterneuburg ins Geschäft in den ersten Bezirk, so komme ich auch im Jahr auf meine sieben- bis achttausend Kilometer! Und am Abend sitz ich vor dem Fernseher und besticke meine Lederhosen. Das ist richtig entspannend!“

ALEXANDER PROFOUS
Grünangergasse 12 – 1010 Wien – Tel.  +43 1 513 44 32

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